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Piraten

Vor 24 Jahren waren in Port el Kantaoui die Piraten los. Während unseres ersten Aufenthalts in Tunesien produzierte Roman Polanski hier seinen Film „Piraten„, mit Walther Matthau in der Hauptrolle. Die zu Touristenattraktionen umgebauten Kulissenschiffe kreuzen heute vor der Küste.

Am Wochenende machte Polanski erneut Schlagzeilen. Auf Wunsch der amerikanischen Justiz verhaftete die Zürcher Polizei den Regisseur und steckte ihn in Auslieferungshaft. Wiederum sorgt die Schweiz für Schlagzeilen. Endlich kann eine vor 31 Jahren verübte Tat, deren Klage das Opfer längst zurückgezogen hat, vor den Richter gebracht werden.

Schön, dass die Schweiz nach dem Fall Gaddafi ein zweites glorreiches Zeichen für unsere Rechtssprechung setzen konnte. Da uns keine anderen Sorgen plagen, freue ich mich schon auf das nächste Müsterchen Schweizer Globalpolitik. Vorschlag: Politisches Asyl für Peitschen-Peer nach der vernichtenden Wahlniederlage vom letzten Wochenende. Guantanamo is everywhere!

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Fango

Es gibt Erdenbürger (auch Männer habe ich mir sagen lassen), die sich für viel Geld miefende Algen- und Seegrasbiomasse an ihren Luxuskörper schmieren lassen. An unserem Hausstrand gibt’s die Naturstoffe kostenlos. Mit feinkörnigem Sand durchsetzt, fördert die Substanz bei der Applikation auch die Durchblutung. Zudem löst das Peeling alte Hautrückstände und verhilft so zu einem frischen Teint. Nur einsammeln muss man es selber. Dafür liegt genügend rum. Und es wird stündlich mehr.

Qualifikation

Heute fragt das Hotel wohl die Kundenzufriedenheit ab. Dieses Ritual findet alle paar Wochen statt. Zwei Tage vor dem grossen Ereignis startet der Aktivismus. Die Hotelmanager sind omnipresent. Jeder noch so kleinen Rückmeldung wird nachgegangen. Das Personal grüsst bei jedem Wiedersehen, als hätten wir uns noch nie im Leben getroffen (auch wenn dies täglich ein Dutzend mal geschieht).
Letztes Jahr wurde mir am Tag der Umfrage gar die Golftasche noch vor dem Betreten der Hotellobby aus der Hand gerissen und aufs Zimmer getragen. Einmalig. Schon am nächsten Morgen schritt ich vollbepackt durch die Eingangshalle, kreuzte den Gepäckträger des Vortages, der locker am Tresen stand und mich nicht einmal mehr grüßte.

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Das Hotelzimmer präsentierte sich heute wie ein Honeymoon Appartement. Mit Blumen geschmückt, minutiös aufgeräumt und blitzsauber. Der Mensch lässt sich halt gerne manipulieren. Wissenschaftlich ist es erwiesen, dass das Kurzfristgedächtnis die Resultate von Zufriedenheitsumfragen stark beeinflusst. Insofern beherrscht das Management die Manipulation perfekt. Auch wenn wir die Taktik durchschauen, auch wir verfallen dem Qualitätssturm. Genießen wir also den Moment. Ab morgen kehrt wieder Normalität ein – die aber auch nicht schlecht ist.

H1N1

Die Benutzung von öffentlichen Strandtoiletten bedarf einer gewissen Überwindung. Nur wenn die Blase wirklich schmerzt, wage ich den Besuch auf dem stinkenden Örtchen. Und dann gilt: Möglichst nichts anfassen und immer die Schweinegrippe-Hygienetipps vor Augen.

Mein heutiger Besuch auf dem Notfallabort übertraf wirklich alles bisher Erlebte – und das in einem 4-Sterne Hotel! Ich also rein in das Bazillencamp und da lacht mir schon ein sitzender Notdurftverrichtender im Pensionsalter mit offener Kabinentür und mit vom Drücken errötenden Kopf entgegen. Mit Schahmesröte im Gesicht wich ich auf die zweite Kabine aus. Während ich meine Blase entleerte hörte ich aus der Nebenkabine letzte Presslaute und anschließende papierene Wischgeräusche mit Hakle trocken einlagig. Als ich mich zum Händewaschen ans Becken stellte hat sich mein Nachbar die Badehose hochgezogen und verlässt den Ort des Verdauens ohne seine Klauen zu reinigen. Ich treff die Sau sicher gleich im Speisesaal. H1N1: Wen kümmerts?!

Gasnost

Gorbatschows Reformpolitik befreite im Endeffekt die Welt von einem hässlichen Zaun. Die Geschichte kennen wir. Mit der Öffnung der Grenze vermischen sich an beliebten Feriendestinationen immer mehr die Kulturen. Während uns noch vor paar Jahren die nördlichen Nachbarn lästern ließen und die krebsroten Briten uns mal für mal zeigen, dass Sonnencrème etwas für Bleicheier ist, erobert seit dem Mauerfall eine neue Nation die Ferienparadiese dieser Welt: Die Russen. Auch bei den Kindern aus Mütterchen Russland lässt sich deren (Un)Vermögen am Bauchumfang ablesen. Meine Eltern haben mir vor allem Toleranz, Zurückhaltung und Rücksichtsnahme mit auf den Lebensweg gegeben. So haben sie mir schon in frühester Kindheit erklärt, dass die meisten übergewichtigen Menschen an einer genetisch bedingten Krankheit leiden und für ihren Körperumfang unschuldig seien. Hinzu kommt, dass diese Leute auch kaum Nahrung zu sich nehmen und dennoch aufgehen wie ein Hefekuchen. Heute weiß ich: Bullshit! Dass es krankhaft bedingte Übergewichtige gibt bestreite ich keineswegs. Ich behaupte aber, dass wir uns hier im Promillebereich bewegen. Die Regel ist: Je größer die Wampe, desto voller die Teller. Punkt.

Auch bei den Russischen Edelfiguren unseres Hotels stimmt diese Beobachtung. Und eben: Was oben eingefüllt wird, wandelt die Trommel in Energie um. Dieser Prozess hinterlässt Abfallprodukte. Während der Araber unmittelbar nach dem Essen die Qualität der Mahlzeit mit einem ordentlichen Rülpser quittiert, lässt sich der gutbewulstete Bär aus der Taiga etwas mehr Zeit. Schließlich will das mittagliche Fuder an Zwiebelringe seine Wirkung richtig entfalten können. Am Strand schließlich entlässt der Adonis die Gasansammlung geräuschvoll in die salzhaltige Luft. Aufgrund seiner Reaktion schließe ich, dass ich soeben Zeuge einer russischen Nachessenstradition wurde. Immer gut, wenn man sich der lokalen Verhaltensweisen bewusst ist. Das wird mich bei einem allfälligen Moskaubesuch als Insider zu erkennen geben – einer, der sich für die Traditionen des Gastgeberlandes interessiert. G(l)asnost, spaziba und doswedanja!

Halbzeitbilanz

Täglicher Regen, ein Totalausfall. Sonnenbad am Strand zwischen Wolken und Niederschlägen. Die Prognosen für die kommende Woche scheinen besser.

Sandsack

Ein Badeausflug ins Meer bei erhöhtem Wellengang ist nicht ohne. Vor allem dann, wenn die Gelenkigkeit der Schwimmerin augfrund ihres hohen Alters und dem noch höheren Gewicht ziemlich stark eingeschränkt ist. Ich nehm’s vorweg. Der Dame ist nichts passiert, ausser, dass sie mit ihrer unbeholfenen Art für einige Lacher sorgte.

Der Reihe nach. Rein optisch lud das Meer nicht zum Bade. Das Unwetter sorgte für ziemlich trübes Wasser. Seegras so weit das Auge reicht. Der immer noch starke Wellengang wirbelt zudem Unmengen Sand auf. Das Meer, am Sonntag noch blau, präsentiert sich in einem dreckigen braun.

Mit Badehaube und übergroßem Badeanzug (die Dame muss schon schwerere Zeiten erlebt haben), nähert sie sich dem Flutsaum. Die erste Welle ging noch gut, die zweite war stärker. Die Brandung kugelt die Badenixe von Wellenkamm zu Wellenkamm. Anmutig wie eine Kegelrobbe an Land und agil wie eine auf dem Panzer liegende Schidkröte, wehrt sich die Planscherin vor dem salzigen Nass. Mein Gehirn weckte schon das Helfersyndrom in mir und rief mir das Gelernte aus der Baywatch Serie in Erinnerung, als eine Gentleman-Welle die Dame in eine, zum Aufstehen aussichtsreiche Position spühlte. Tatsächlich nutzte die Artistin das Offering und versuchte sich auf zwei wackelige Beine zu stellen. Doch irgendwie waren die Gewichtsverhältnisse während der Spühlung durcheinander geraten. Der Schwerpunkt der Dame war deutlich aus den Fugen geraten. Doch ihre Bemühungen zeigten Früchte. Rund zehn Sekunden dauerte die Austarierung und die Dame stand. Wenn auch wacklig, sie stand. Die Zuschauer der filmreifen Szene entdeckten nun auch den Grund für die Gleichgewichtsprobleme. Zwischen ihren Beinen strebte ihr Badeanzug sackförmig der Erde zu. Ein Kilo Sand in dieser Körpergegend ist unangenehm für die Betroffene, ein Brüller aber für die Zuschauerkulisse. Umso komischer, weil die Dame aufgrund ihrer Körperdimensionen unmöglich sehen konnte, was da zwischen ihren Beinen baumelte. Hengstähnliche Dimensionen – Neider auf sicher.