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Posts Tagged ‘Kultur’

Russischer Strandknigge

Mittlerweile ist das Hotel fest in roter Hand. Und täglich studiere ich in Glasnostmanier kulturelle Errungenschaften russischer Gentlemen. Man weiß ja nie, wann man gezwungen ist, sich mit neuen Umgangsformen anfreunden zu müssen.

Am Strand gilt es, den Badehosestil der 70er zu reaktivieren: Je größer die Körperfläche, desto gestreifter und knapper die Badehose. Der Anstand hat sich den Textilverbrechen umgehend anzupassen. Der russische Mann von (Halb)Welt kratzt sich ungezwungen in aller Öffentlichkeit am Sack. Mindestens zwei mal die Stunde unterbricht ein Telefonläuten den Sound russischen Volkpops der aus westlicher Handytechnik plärrt. Und um sich wirklich lässig in Szene zu setzen, spuckt der russische Bär lautstark in den Sand und rotzt den Nasenschleim noch geräuschvoller hinterher. Kultureller Austausch auf völkerverbindendem Niveau. Diese Körpersprache ist international. Nastrovje!

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Gasnost

Gorbatschows Reformpolitik befreite im Endeffekt die Welt von einem hässlichen Zaun. Die Geschichte kennen wir. Mit der Öffnung der Grenze vermischen sich an beliebten Feriendestinationen immer mehr die Kulturen. Während uns noch vor paar Jahren die nördlichen Nachbarn lästern ließen und die krebsroten Briten uns mal für mal zeigen, dass Sonnencrème etwas für Bleicheier ist, erobert seit dem Mauerfall eine neue Nation die Ferienparadiese dieser Welt: Die Russen. Auch bei den Kindern aus Mütterchen Russland lässt sich deren (Un)Vermögen am Bauchumfang ablesen. Meine Eltern haben mir vor allem Toleranz, Zurückhaltung und Rücksichtsnahme mit auf den Lebensweg gegeben. So haben sie mir schon in frühester Kindheit erklärt, dass die meisten übergewichtigen Menschen an einer genetisch bedingten Krankheit leiden und für ihren Körperumfang unschuldig seien. Hinzu kommt, dass diese Leute auch kaum Nahrung zu sich nehmen und dennoch aufgehen wie ein Hefekuchen. Heute weiß ich: Bullshit! Dass es krankhaft bedingte Übergewichtige gibt bestreite ich keineswegs. Ich behaupte aber, dass wir uns hier im Promillebereich bewegen. Die Regel ist: Je größer die Wampe, desto voller die Teller. Punkt.

Auch bei den Russischen Edelfiguren unseres Hotels stimmt diese Beobachtung. Und eben: Was oben eingefüllt wird, wandelt die Trommel in Energie um. Dieser Prozess hinterlässt Abfallprodukte. Während der Araber unmittelbar nach dem Essen die Qualität der Mahlzeit mit einem ordentlichen Rülpser quittiert, lässt sich der gutbewulstete Bär aus der Taiga etwas mehr Zeit. Schließlich will das mittagliche Fuder an Zwiebelringe seine Wirkung richtig entfalten können. Am Strand schließlich entlässt der Adonis die Gasansammlung geräuschvoll in die salzhaltige Luft. Aufgrund seiner Reaktion schließe ich, dass ich soeben Zeuge einer russischen Nachessenstradition wurde. Immer gut, wenn man sich der lokalen Verhaltensweisen bewusst ist. Das wird mich bei einem allfälligen Moskaubesuch als Insider zu erkennen geben – einer, der sich für die Traditionen des Gastgeberlandes interessiert. G(l)asnost, spaziba und doswedanja!

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